Durch die geplante Fortschreibung der Nachhaltigkeitsstrategie der Deutschen Bundesregierung werden die Versäumnisse der niedersächsischen Landespolitik deutlich. Der Arbeitskreis Bildung der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA) in Niedersachsen fordert daher, konkrete und mutige Schritte einzugehen. Stefan Nowatschin, Mitglied im CDA-Landesvorstand Niedersachsen und stellvertretender Bundesvorsitzender des Bundesverband der Lehrkräfte für Berufsbildung e. V. (BvLB), ...

die Veröffentlichung des Entwurfs zur Fortschreibung der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie durch die Deutschen Bundesregierung: „Auf europäischer und nationaler Ebene werden dadurch auf politischer Ebene Digitalisierung, Nachhaltigkeit und die Internationalisierung in den nationalen und europäischen Nachhaltigkeitsstrategien handlungsleitend ausgewiesen. Eng damit verbunden müssen die beruflichen Schulen zu nachhaltigkeitsorientierten Exzellenzzentren regionaler Berufsbildung entwickelt werden und deutlich bessere Rahmenbedingungen für die Fachkräftequalifizierung erhalten.“
Der Entwurf der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie und auch die aktuelle niedersächsische Nachhaltigkeitsstrategie berücksichtigten dagegen kaum Investitionen in die Wirkfaktoren für nachhaltige Entwicklung, die beruflichen Schulen, so Nowatschin weiter. Diese müssten durch Schulgesetzänderungen die finanziellen, personellen und baulichen Rahmenbedingungen und ordnungspolitischen Vorgaben bekommen, um sich zu regionalen digitalunterstützten nachhaltigkeitsorientierten exzellenten Lernorten beruflicher Bildung entwickeln zu können.
Im Rahmen der Europäischen Woche der Berufsbildung 09.11. bis 13.11.2020 tagte auch die Europäische Ausbildungsallianz. Im Rahmen der Tagung wurden fünf bedeutsame Punkte für einen erfolgreichen Übergang hin zu einer digitalunterstützten und „grünen“ (d.h. nachhaltigkeitsorientierten) Ausbildung und zur Gestaltung von regionalen nachhaltigkeitsorientierten EU-Exzellenzzentren beruflicher Bildung benannt:
1. Die Finanzierung der Ausbildung muss gesichert werden, z. B. durch auf verschiedenen politischen Ebenen wirkende Berufsbildungsfonds (EU, national, regional, lokal),
2. „grüne“ (im Sinne von nachhaltigkeitsorientierte) Ausbildung gehört in die Ausbildungs- und Lehrpläne sowie in die Schulgesetze,
3. es werden Nachhaltigkeitsbeauftragte an den Lernorten beruflicher Bildung benötigt,
4. die Lernorte Beruflicher Bildung benötigen für die „grüne“ Ausbildung die richtige Ausrüstung und entsprechende Lernräume/Gebäude,
5. in kooperativen Fortbildungsformaten müssen das betriebliche und berufs-schulische Aus- und Weiterbildungspersonal sowie das Leitungspersonal ausreichend qualifiziert werden.
Nowatschin erinnerte bei der Tagung an den dringend notwendigen Pakt für die Berufsschulen – siehe: https://www.dbb.de/teaserdetail/artikel/eu-pakt-fuer-berufliche-schulen-und-innovationsfonds-berufliche-bildung.html
Er wies, wie viele andere Fachleute in den Bereichen Berufsbildung und Nachhaltigkeit, darauf hin, dass auch das Berufsbildungsgesetz und die jeweiligen Schulgesetze konkrete Handlungsaufträge an die Schulleitungen beinhalten müssen, damit die Themen verbindlich umgesetzt werden. Die Transformation der Lernorte Beruflicher Bildung gelingt nur durch „Leadership des Leitungspersonals!“ Daher brauchten auch Schulleitungen und Unternehmensleitungen kooperative Fortbildungsformate, um gemeinsam in Sachen Nachhaltigkeitsmanagement und bei der Erstellung von Nachhaltigkeitsberichte zu lernen.
Bildungsexperte Nowatschin: „Für eine erfolgreiche Umsetzung der Trendthemen Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Internationalisierung braucht es an den Lernorten beruflicher Bildung auch Leadership im Klassenraum und in der Werkstatt bzw. im Büro! Weiterhin müssen Investitionen in nachhaltigkeitsorientierte Sach- und Gebäudeausstattungen getätigt werden.“
Zudem gelte, so Nowatschin abschließend: „Die Auszubildenden und Schülerinnen und Schüler an den europäischen beruflichen Schulen, also eben auch an niedersächsischen beruflichen Schulen, haben einen Anspruch auf echte und verlässliche 100% Bildungszeit und Unterricht. Der Bildungs- und Erziehungsauftrag wird derzeit in Europas beruflichen Schulen, u. a. beim werteorientierten und fremdsprachlichen Unterricht, nicht vollständig realisiert. Es werden dringend mehr Planstellen für Berufsschullehrkräfte benötigt, auch weil viele bis 2030 in den wohlverdienten Ruhestand gehen!“

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