Der Vorschlag der norddeutschen Regierungschefs ist richtig. Ein Feiertag mehr wird die Wirtschaft nicht in die Knie zwingen. Der neue Feiertag bietet vielmehr für viele Betrachtungen den richtigen Ausgangspunkt. Die Refor- mation hat ihren Ursprung im religiösen. Doch sie strahlt über die Jahrhunderte in viele Bereiche des gesellschaft- lichen Lebens aus. Im recht verstandenen Sinn ist der Reformationstag religiös und weltlich, konfessionsbe- zogen und ökumenisch zugleich. Der Reformationstag hat Flieh- und Bindekräfte. Er kann aber dennoch oder gerade deswegen dazu dienen, den Sinn des Gemeinsamen zu betonen und das Trennende zu überwinden. Aus diesem Grund kann der Fokus des "Reformationstages" als allgemeiner gesetzlicher Feiertag weder bei Luther noch bei den protestantischen Kirchen liegen. Der Dreh- und Angelpunkt für diesen Feiertag ist die Begriffswelt "Reformation" selbst: Wandel, Veränderung, Revolution, Beharrung, Stillstand, Fortschritt, Rückschritt, These, Antithese, Synthese, um nur einige aufzuzählen. Der Feiertag ist Anlass, um über die Notwendigkeit und die Gestaltung von Veränderung in einer komplexen Welt nachzudenken und die Menschen auf dem Weg des Wandels mitzunehmen. Am Ende überwiegt für mich, um für den Reformationstag als Feiertag zu plädieren, der mit diesem Tag verbundene Drang, eine menschliche Welt zu gestalten, wobei die Transzendenz dies erst ermöglicht. Deshalb ist es richtig, den Reformationstag zu einem gesetzlichen Feiertag zu machen. Dies verpflichtet staatliche und gesellschaftliche Organisationen auch dazu jedes Jahr ihren Anteil zu erbringen, dass der übergreifende Sinn des Tages gebührend gewürdigt wird.

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