"Toleranz sollte eigentlich nur eine vorübergehende Gesinnung sein: sie muss zur Anerkennung führen. Dulden heißt beleidigen." Johann Wolfgang von Goethe In seinen Schriften hat Goethe häufig auch in nur knappen Sätzen wichtige Grundlagen des menschlichen Zusammenlebens dargestellt. Er hat so aber auch Ansprüche formuliert, die selbst die heutige demokratische Gesellschaft der Bundesrepublik Deutschland nicht oder nicht immer oder nicht umfassend verwirklichen kann.

Gerade die aktuellen Debatten um die Flüchtlingspolitik machen dies deutlich. Aber auch die seit vielen Jahren bestehenden Aktivitäten gegen Rassismus und gegen die rechten Parteien in Deutschland. Ein zentraler Ansatz wäre, "Toleranz" in den Mittelpunkt der innerstaatlichen politischen sowie die zivilgesellschaftlichen Bemühungen zu stellen. Menschliches Zusammenleben ist immer eine Wechselbeziehung zwischen zwei oder mehr Personen sowie zwischen mindestens zwei Gruppen von Menschen oder mehreren. Ohne Regeln, aber auch ohne Verständigung über diese, wäre ein Zusammenleben nicht machbar. Vor allem, wenn Menschen unterschiedlicher Herkunft, unterschiedlicher kultureller Prägungen und verschiedener religiöser Ãœberzeugungen - um nur einige wenige Unterschiedlichkeiten von Menschen zu benennen - in einer staatlichen Gemeinschaft Leben, sind Prinzipien wichtig. Ein zentrales Prinzip ist die Toleranz. Sie bindet alle Gruppen, denn sie ist nicht einseitig. Wem tolerant begegnet wird, ist ebenfalls zur Toleranz aufgefordert. Toleranz kann nicht einseitig sein. Schon Anfang des Jahrtausends formulierte Jürgen Habermas in seinem Beitrag "Religiöse Toleranz als Schrittmacher kultureller Rechte" eine wichtige Aussage, die die damalige Debatte um eine vielfältige Gesellschaft bereicherte und allen die Gesellschaft gestalten eine Orientierung an die Hand gab, nämlich: "Toleranz bewahrt eine pluralistische Gesellschaft davor, als politisches Gemeinwesen durch weltanschauliche Konflikte zerrissen zu werden." Und im fünfzigsten Band des Jahrbuchs für Christliche Sozialwissenschaften, das sich mit dem Thema "Was hält die Gesellschaft zusammen?" befasst, formulierte im Jahre 2009 der heutige Univ.-Prof. Dr. theol. Christian Spieß, Professor der Christlichen Sozialwissenschaften an der Katholischen Privat-Universität Linz in seinem Beitrag "Religionsfreiheit und Toleranz" im Anschluss an Habermas "Deshalb gehört eine Haltung, eine Praxis sowie eine Struktur der Toleranz zu den entscheidenden Voraussetzungen für den Zusammenhalt der Gesellschaft." Doch wie macht man aus diesen wichtigen Maßstäben zivilgesellschaftliches Handeln aller Akteure sowie eine Politik, die die Menschen erreicht, damit sie nicht solchen Parteien wie "AfD" hinterherlaufen? Zuerst hilft man Menschen in Not, auch wenn sie noch nicht vor der eigenen Haustüre stehen. Deshalb ist der europäische Einsatz so wichtig, der schon viel früher hätte beginnen müssen, aber nun endlich auf einem hoffnungsvollen Weg ist. Dies, obwohl im Zusammenspiel mit der Türkei hat manche Kröte geschluckt werden müssen. Dies war aber hinnehmbar, um das erste Ziel besser erreichen zu können, nämlich den Schleppern ihr kriminelles Handwerk zu legen. Für alle Flüchtlinge in Deutschland steht dann an erster Stelle unsere Sprache zu erlernen. Für die Politik bedeutet dies, genügend finanzielle Mittel für Integrationskurse zur Verfügung zu stellen. Denn nur dann kann allen Flüchtlingen auch ein Angebot unterbreitet werden, dass sie dann annehmen. Für die vorhandene Bevölkerung bedeutet dies, nicht Vorurteile vor allem über die neuen Medien weiter zu verbreiten, sondern sich mit den Fakten zu befassen und diese zu verarbeiten. Hierzu gehört selbstverständlich auch über Vergehen von Migrantinnen und Migranten sowie an diesen zu berichten. Auch wenn Asylbewerber gegen Recht verstoßen haben, sind nicht andere, die sich rechtstreu verhalten, auch noch dafür durch Vorurteile in die Verantwortung zu nehmen. Vielmehr sind die straffällig gewordenen zur Rechenschaft zu ziehen. Dies gilt auch für die, die Flüchtlingsheime in Brand setzen. Die Brandstifter begehen das Verbrechen und nicht alle Menschen, die im Umfeld der kriminell gewordenen Täter leben. Und Vorurteilsfrei sollten die Bürgerinnen und Bürger auch wieder mit der Politik umgehen. Jeder kennt aus seinem eigenen Leben, dass zum erreichen manchen Zieles weite Wege oder eine längere Zeit zurückzulegen waren. Dies gilt auch für politische Entscheidungen. Von dem Tag an dem sie fallen bis zu dem Zeitpunkt an dem sie die Wirklichkeit verändern dauert es manchmal etwas länger als man selbst glaubt. Deshalb gehören Geduld und Langmut zu den wichtigen Tugenden der Politik. Unsre Gesellschaft ist schon vielfältig und wird durch unsere - aus welchen Regionen der Welt auch immer zu uns geflohenen oder zu uns gereisten - neuen Nachbarn noch vielfältiger. Wenn wir unser gesellschaftliches Zusammenleben tolerant gestalten kann dies zu einem Gewinn für uns alle werden. Aber dies geht nicht ohne Anstrengung und auch die eine oder andere Enttäuschung wird auf dem Weg zu verarbeiten sein. Doch am Ende dürfte es für die meisten eine Entwicklung zum besseren werden. Aber diese kommt nicht von alleine, sondern nur durch einen ent-sprechenden politischen Einsatz. Einem Einsatz, für den auch die CDA als christlich-sozialer Flügel der CDU tagtäglich arbeitet.

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